Fachglossar
A
A-Horizont
Oberster mineralischer, mit organischer Substanz vermischter Bodenhorizont. In der Feldarchäologie häufig als Oberboden bezeichnet. (Im allgemeinen Sprachgebrauch als Mutterboden oder Ackerkrume.) Häufigste Ausprägungen sind der Ap-Horizont (Pflughorizont) beackerter Böden und der Ah-Horizont von nicht durch Bearbeitung gestörten Wiesen-Böden.
Akkumulation
Als Akkumulation wird die Ablagerung/Auflagerung von Bodenmaterial bezeichnet, welches zuvor durch Erosion (linienhaft) oder Denudation (flächenhaft) abgetragen und verlagert wurde. Es ist der Prozess, bei dem sich Sedimente oder andere Stoffe an einem bestimmten Ort ansammeln und so neue Oberflächenformen bilden oder bestehende verändern. Eine für die Archäologie wichtige Form der Akkumulation von Bodenmaterial ist das Kolluvium, welches ehemalige Oberflächen und darin enthaltene archäologische Befunde überdecken und konservieren kann. Das Erkennen eines Kolluviums im Gelände ist daher wichtig z. B. beim Oberbodenabtrag und der Anlage des Planums.
Altsiedellandschaft
Gebiete, die bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit durch Ackerbau treibende Gesellschaften besiedelt wurden.
Anthropogene Auflagerungen
Anthropogene Auflagerungen sind Bodenschichten, die durch menschliche Tätigkeit auf den gewachsenen Boden aufgebracht wurden, etwa durch Planierungen, Verfüllungen, Abbrucharbeiten oder Siedlungsaktivitäten. Sie unterscheiden sich von natürlich entstandenen Bodenhorizonten meist durch ihre Materialzusammensetzung, etwa durch Bauschutt, Keramikreste oder Holzkohle. Ihr Nachweis ist für die geoarchäologische Bewertung eines Standortes bedeutsam, da sie auf vorangegangene Nutzungen oder Eingriffe hinweisen können. Häufig markieren sie zugleich die Grenze zwischen dem gewachsenen Boden und späteren Nutzungshorizonten.
Anthropologie
Wissenschaftszweig, der sich mit der Untersuchung des Menschen befasst. Anthropologen sind häufig hinzuzuziehen, wenn bei archäologischen Ausgrabungen menschliche Überreste/Skelette entdeckt werden.
Archäobotanik
Die Archäobotanik untersucht reliktische Pflanzenreste aus archäologischen Stätten. Als Mischgebiet der Archäologie und Botanik kann sie vergangene Umweltbedingungen, die Vegetations- und Agrargeschichte mit Hilfe von Funden pflanzlichen Ursprungs rekonstruieren. Neben den Makroresten (Früchte, Samen, Holzreste) geben auch Mikroreste (Pollen, Sporen) Hinweise auf die Vegetation vergangener Zeiten und lassen auf die Ernährungsgewohnheiten, Anbaumethoden, Siedlungsgeschichte und Klima dieser Zeit rückschließen.
Archäologische Baubegleitung
Durchführung und Umsetzung der denkmalpflegerischen Auflagen durch archäologische Fachfirmen. Fachwissenschaftliche Begleitung und ggf. Einleitung von Maßnahmen zur Sicherung archäologischer Informationen während des laufenden Baubetriebs. Teil der baubegleitenden Mitigationsmaßnahmen.
Archäologische Dokumentation
Schriftliche, zeichnerische, fotografische und vermessungstechnische Datenaufnahme während der archäologischen Ausgrabung sowie Inventarisierung der Funde. Zudem anschließende Erstellung des Grabungsberichtes. Vorgaben der jeweils zuständigen Landesdenkmalämter sind hierbei einzuhalten.
Archäologische Engstellen
Als archäologische Engstellen werden Streckenabschnitte eines Bauvorhabens bezeichnet, an denen mit einem erhöhten Aufkommen archäologischer Befunde oder Bodendenkmäler zu rechnen ist. Sie werden meist im Vorfeld eines Bauprojekts durch Desktop-Studien, Feldbegehungen oder Bohrprospektionen identifiziert. An solchen Stellen sind häufig zusätzliche Untersuchungen, etwa Sondagen oder eine baubegleitende Beobachtung, erforderlich, um Verzögerungen im Bauablauf zu vermeiden. Die frühzeitige Kenntnis von Engstellen ermöglicht eine gezielte Planung der notwendigen Maßnahmen und schont Zeit- und Kostenrahmen.
Archäologische Grabungsfirma
Nach den Vorgaben der Landesämter qualifiziertes Personal, das die archäologischen Maßnahmen durchführt.
Archäologische Koordination
Die archäologische Koordination (als Person oder Organisation) ist im Auftrag des Bauherrn oder Vorhabenträgers für die Koordination aller vor Ort durchzuführenden archäologischen Maßnahmen zuständig. Sie ist das Bindeglied zwischen Bauherr, Landesamt und ausführender Grabungsfirma und sorgt für eine reibungslose Umsetzung der jeweiligen Vorgaben der Landesämter. Der Einsatz einer archäologischen Koordination ist vor allem bei Großprojekten sinnvoll.
Archäologische Maßnahme
Archäologische Ausgrabung, die durch einen Oberbodenabtrag und ggf. Anlage von Suchschnitten gekennzeichnet ist.
Archäoprognose
Mittels des statistischen Verfahrens der Archäoprognose sollen Aussagen über das archäologische Potenzial einer bestimmten Fläche getroffen werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass menschliches Verhalten, wie z. B. die Auswahl von Siedlungsflächen nicht zufällig ist, sondern einem Landschaftsbezug (Klima, Vegetation, Boden, Wasser) und damit bestimmten Grundsätzen folgt. Vorhandene Kenntnisse historischer Siedlungsstrukturen und ihrer Lebensräume lassen Regelmäßigkeiten erkennen und sollen Aussagen zur Attraktivität von Gebieten ermöglichen, über die bisher wenige archäologische Informationen vorliegen. Da dieser Modellentwicklung der Landschaftsbezug als Entscheidungsfaktor für die Siedlungsplatzwahl zu Grunde liegt, liefert das Verfahren nur für stark ökologisch geprägte Kulturen gute Ergebnisse. Erfolgt die Wahl eines Siedlungsplatzes aus anderen Gründen, wie z. B. der Ausrichtung an einem Handelsweg, kann die Methode nicht angewendet werden. (Quelle: Ulla Münch, „Archäoprognose – Ein Verfahren zur Einschätzung des archäologischen Potenzials in Entwicklungsräumen“.)
Ausgrabung, Grabung
Unter einer Ausgrabung versteht man die archäologische Freilegung von verdeckten Funden oder Befunden. Die Ausgrabung beinhaltet nur einen Teilbereich der archäologischen Arbeit. Die Dokumentation, Auswertung, Konservierung und Archivierung der Funde stellt den weitaus größten Teil der archäologischen Tätigkeit dar. Eine Ausgrabung wird dann notwendig, wenn aufgrund von Bodeneingriffen archäologische Bodendenkmäler zerstört werden. Gemäß Denkmalschutzgesetz ist es Ziel, Ausgrabungen nach Möglichkeit zu vermeiden, sondern das Bodendenkmal durch konservatorische Überdeckung oder Änderungen im Bauplan zu erhalten. Ist eine Störung oder sogar Zerstörung des Bodendenkmals unumgänglich, müssen Befunde vorab geborgen und dokumentiert werden.
B
B-Horizont
Unterboden (syn. verwitterter Unterboden, mineralischer Verwitterungshorizont zwischen Oberboden und Ausgangsgestein, Mischhorizont). In diesem können bereits archäologische Befunde und Funde vorhanden sein.
Baubedarfsfläche
Als Baubedarfsfläche werden die für die Durchführung eines Bauvorhabens zusätzlich benötigten Flächen bezeichnet, etwa für Baustelleneinrichtungen, Lagerflächen, Arbeitsstreifen oder Zuwegungen. Sie liegen häufig außerhalb der eigentlichen Trasse oder des Baufeldes, unterliegen aber denselben bodenschutz- und denkmalrechtlichen Anforderungen. Da Baubedarfsflächen oft erst kurz vor Baubeginn feststehen, ist ihre frühzeitige Prüfung auf Bodendenkmäler und schützenswerte Böden wichtig, um Verzögerungen im Bauablauf zu vermeiden.
baubegleitend
Baubegleitend bezeichnet Untersuchungen oder Beobachtungen, die parallel zu den laufenden Bauarbeiten durchgeführt werden, etwa eine bodenkundliche oder archäologische Baubegleitung. Fachpersonal überwacht dabei die Erdarbeiten, um unvorhergesehene Bodendenkmäler, Altlasten oder schützenswerte Böden unmittelbar zu erkennen und angemessen zu reagieren. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, auf im Vorfeld nicht erkannte Befunde flexibel zu reagieren, ohne den Bauablauf unnötig zu unterbrechen.
bauvorgreifend
Als bauvorgreifend werden Untersuchungen oder Maßnahmen bezeichnet, die bereits vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten durchgeführt werden, um mögliche Konflikte mit Bodendenkmälern, Altlasten oder schützenswerten Böden frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen etwa Desktop-Studien, Feldbegehungen, Bohrprospektionen oder geophysikalische Untersuchungen. Bauvorgreifende Maßnahmen dienen dazu, den späteren Bauablauf besser planbar zu machen und unerwartete Verzögerungen während der Bauphase zu vermeiden.
Befund
Die bei der Ausgrabung gefundenen Strukturen im Boden (bspw. anthropogene Erdverfärbungen, Keramik oder Mauern), die als Spur eines menschlichen Eingriffs erhalten geblieben sind. Der Befund ist in situ erhalten (nicht verlagert) und in einem Befundkontext erhalten geblieben.
Befundhorizont
Die Bodenschicht, in der archäologische Befunde und Funde auftreten.
Befundschichten
Befundschichten sind Bodenschichten, in denen archäologische oder bodenkundlich relevante Spuren früherer Nutzung erhalten sind, etwa Gruben, Pfostenlöcher, Kulturschichten oder Verfärbungen. Sie heben sich in der Regel farblich oder in ihrer Struktur vom umgebenden gewachsenen Boden ab und werden im Zuge von Ausgrabungen oder bodenkundlichen Untersuchungen gesondert erfasst und dokumentiert. Die genaue Ansprache der Befundschichten ist entscheidend für die Interpretation der Nutzungsgeschichte eines Fundplatzes.
Bodenarchiv
Böden besitzen physikalische, biologische und chemische Eigenschaften. Sie sind Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, speichern Wasser und Nährstoffe. Neben diesen Funktionen sind Böden aber auch wichtige Archive der Natur- und Kulturgeschichte. In Böden sind deren Entstehungsgeschichte, die Landschaftsgeschichte oder die Kulturgeschichte des Menschen dokumentiert. Böden sind also nicht statisch, sondern reagieren auf Veränderungen in der Umwelt sowie auf menschliche Einflüsse. Ausgangsgestein, Klima, Nutzung der Böden und andere Einflüsse haben Spuren hinterlassen, die im Bodenarchiv gespeichert sind. Dabei kann unterschieden werden in Böden als naturgeschichtliches Archiv (wie z. B. Paläoböden) und Böden als kulturgeschichtliches Archiv (z. B. Böden aus historischer landwirtschaftlicher Nutzung, Böden im Bereich frühgeschichtlicher Besiedlung, Grabstätten). Nach den §§ 1 und 2 Bundes-Bodenschutzgesetz sind Böden hinsichtlich der Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte vor Beeinträchtigungen zu schützen.
Bodenart / Körnung / Textur
Die Bodenart, auch Bodentextur oder Körnung genannt, beschreibt die Zusammensetzung der mineralischen Bestandteile eines Bodens nach ihrer Korngröße. Die Bodenart kann im Gelände mit Erfahrung durch die sog. Fingerprobe bestimmt werden. Im Labor erfolgt die Bestimmung mittels der sog. Sieb- und Schlämmanalyse. Maßgeblich für die Bodenart sind die Anteile von Sand, Schluff und Ton, welche sich durch das Ausgangsgestein und Prozesse der Bodenbildung ergeben. Diese sind ebenfalls dafür maßgeblich, dass die Textur im Bodenprofil zumeist nicht einheitlich ist. Die Bestimmung der Körnung erfolgt daher mindestens horizontgenau (vergl. Bodenhorizont) und nach erkennbaren Schichtgrenzen. Die Bodenart ist wesentlich für den Wasser-, Luft- und Nährstoffhaushalt eines Bodens, seine Erwärmbarkeit und somit mitbestimmend für seine physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften. Die Textur ist weiterhin von großer Bedeutung für die Ausprägung des Bodentyps, die landwirtschaftliche Eignung eines Standortes und damit die Besiedlung durch den Menschen. Neben dem Feinboden (Sand, Schluff, Ton) mit einem Korndurchmesser von weniger als zwei Millimetern besteht der Grobboden, der auch als Bodenskelett bezeichnet wird. Dieser besteht aus Mineral- oder Gesteinsbruchstücken mit einem Durchmesser von über zwei Millimetern. Besonders erodierbar (vergl. Erosion) sind Böden mit hohem Schluffanteil, wobei als Schluff (2 μm bis 63 μm) die mittlere Korngrößenfraktion zwischen Ton (< 2 μm) und Sand (> 63 μm bis 2 mm) bezeichnet wird. Insbesondere Böden mit hohem oder sehr hohem Schluffanteil besitzen vielfach ungünstigere Eigenschaften für die Landwirtschaft. Sie sind zumeist dicht gelagert, luftarm, leicht vernässend, oft strukturlos, und nährstoffarm. Die Erosionsanfälligkeit von Böden mit hohem Schluffgehalt ist insbesondere in Hanglagen und auf Kuppen von Bedeutung. Bezeichnenderweise weisen die archäologisch bedeutsamen Kolluvien, als Ausdruck stattgefundener Erosion bzw. Bodenverlagerung (siehe Akkumulation) vielfach einen hohen Schluffgehalt auf.
Bodenbildung
Die Bodenbildung oder Pedogenese bezeichnet den Prozess der Entstehung von Böden. Die Pedogenese erfolgt dabei durch chemisch, physikalisch oder biologisch induzierte Verwitterung von Fest- oder Lockergestein zu kleineren mineralischen Bodenpartikeln. Im Zuge der Bodenentwicklung kommt es zur Ausbildung und auch Veränderung von Bodenhorizonten bzw. deren Abfolgen, wodurch sich typische Bodenprofile bilden. Die entstandenen Bodenprofile sind nicht statisch, sondern unterliegen als Stadien der Bodenentwicklung weiteren Veränderungen. Typische Stadien der Bodenentwicklung werden mittels charakteristischer Horizontabfolgen als Bodentypen klassifiziert. Neben dem Faktor Entwicklungszeit, sind die Faktoren Ausgangsgestein, das Klima, der Bewuchs, sämtliches Bodenleben, das Relief bzw. die geomorphologische Situation des Standortes und das Wasserangebot (Regen, Trockenheit, Grundwasser, Staunässe) für die Bodenentwicklung entscheidend. Wichtige Vorgänge der Pedogenese sind Humifizierung, Verbraunung, Verlehmung, Lessivierung, Podsolierung, Vergleyung und Bleichung, welche sich aus bestimmten Standortbedingungen ergeben. Die genannten Vorgänge ergeben jeweils charakteristische Bodenmerkmale und Eigenschaften mit einem typischen vertikalen Profilaufbau aus sogenannten Horizonten. Nicht zuletzt hat auch die Bodenbewirtschaftung durch den Menschen, deren Form und Intensität, zu erheblichen Bodenveränderungen geführt.
Bodendenkmal
Bodendenkmäler sind im Boden befindliche Geschichtszeugnisse aus der menschlichen Vergangenheit. Hierzu zählen zum Beispiel Gräber, Siedlungsreste, Befestigungsgräben, Turmhügel, Brunnen, Latrinen, Altwege und vieles mehr. Auch wenn sie oft nicht mehr sichtbar sind, unter der Oberfläche sind sie als wichtige Zeugnisse vergangener Zeiten noch erhalten. Neben bekannten Bodendenkmälern gibt es auch sog. Verdachts- oder Vermutungsflächen. In diesem Fall ist beispielsweise durch Lesefunde, historisches Kartenmaterial oder eine besondere Lage im Gelände damit zu rechnen, dass sich im Boden archäologische Hinterlassenschaften befinden, die Fläche ist jedoch nicht als Bodendenkmal ausgewiesen. Es ist zu beachten, dass die Denkmaleigenschaft nicht von einer Eintragung in bekannte Denkmallisten oder Kartierungen abhängt. Auch Objekte, die nicht verzeichnet sind, können Denkmäler sein. Jeglicher Eingriff an oder im Nahbereich von Bodendenkmälern bedarf einer denkmalrechtlichen Erlaubnis. Wer Bodendenkmäler auffindet, ist verpflichtet, diese unverzüglich den Unteren Denkmalschutzbehörden oder dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege anzuzeigen. Die undokumentierte Zerstörung eines Bodendenkmals stellt mindestens eine Ordnungswidrigkeit, bei nachweisbarem Vorsatz eine Straftat dar. Die Bodendenkmalpflege dient gezielt dem Erhalt der Bodendenkmäler als Teil des archäologischen Erbes. Sie ist ein zu berücksichtigender Belang bei allen öffentlichen und privaten Planungen, der Landes- und Stadtentwicklung sowie bei allen anderen Vorhaben, die Bodendenkmäler gefährden oder zerstören können.
Bodendenkmalpflege/Denkmalschutz
Die Bodendenkmalpflege ist ein Teilbereich des Denkmalschutzes und befasst sich mit der Erfassung, Erforschung und dem Erhalt von im Boden verborgenen Kulturdenkmälern, etwa Siedlungsresten, Gräbern oder historischen Bauwerken. Grundlage bilden die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer, die Eingriffe in bekannte oder vermutete Bodendenkmäler genehmigungspflichtig machen. Bei Bauvorhaben arbeiten Bodenkundler und Geoarchäologen eng mit den Denkmalschutzbehörden zusammen, um Bodendenkmäler frühzeitig zu erkennen, fachgerecht zu dokumentieren und größtmöglich zu schonen.
bodendenkmalpflegerisch
Das Adjektiv bodendenkmalpflegerisch bezieht sich auf Maßnahmen, Belange oder Auflagen, die dem Schutz und der fachgerechten Behandlung von Bodendenkmälern dienen. Bodendenkmalpflegerische Anforderungen ergeben sich meist aus dem jeweiligen Landesdenkmalschutzgesetz und werden im Rahmen von Genehmigungsverfahren durch die zuständigen Fachbehörden geprüft. Bei Bauvorhaben können sie etwa Untersuchungen, Dokumentationspflichten oder eine baubegleitende Beobachtung erforderlich machen.
Bodeneingriff
Es handelt sich um jeden manipulativen bautechnischen Eingriff in den Boden, der den Zustand des Bodens verändert. Dieser findet statt z. B. bei der Baumaßnahme selbst, der Anlage von Baubedarfsflächen, der Anlage von temporären oder dauerhaften Lager- bzw. Depotflächen sowie bei Ausgleichsflächen.
Bodeneingriffsfläche
Die Gesamtheit aller während der Bauphase beanspruchten Flächen (Arbeitsstreifen, Baubedarfsflächen, Tiefenlockerungsflächen). Dies umfasst alle Flächen, auf denen mindestens der A-Horizont abgetragen wird.
Bodenfauna/Bodenflora
Bodenflora und Bodenfauna sind zwei unterschiedliche Kategorien von Lebewesen, die im Boden vorkommen. Die Bodenflora umfasst alle pflanzlichen und nicht-tierischen Organismen, wie Bakterien, Pilze, Algen und Flechten, sowie unterirdische Teile von Pflanzen. Die Bodenfauna hingegen bezeichnet alle tierischen Lebewesen im Boden, von Einzellern bis zu größeren Tieren wie Regenwürmern und Insekten.
Bodenfruchtbarkeit
Die Bodenfruchtbarkeit beschreibt die Fähigkeit eines Bodens, Pflanzenwachstum durch die Bereitstellung von Wasser, Nährstoffen, Luft und einem geeigneten Lebensraum für Bodenorganismen dauerhaft zu ermöglichen. Sie hängt von physikalischen, chemischen und biologischen Bodeneigenschaften ab, etwa vom Humusgehalt, der Bodenstruktur und dem Nährstoffhaushalt. Bei Bauvorhaben ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ein zentrales Schutzziel des Bodenschutzes, weshalb Ober- und Unterboden getrennt abgetragen, sachgerecht gelagert und nach Bauende wieder fachgerecht eingebaut werden.
Bodenhorizont
Ein Bodenhorizont, oft kurz Horizont genannt, ist eine Ausbildung der Pedogenese (Bodenbildung) und ein Bereich im Boden, der anhand seiner speziellen Eigenschaften von darüber- und darunterliegenden Bereichen im Bodenprofil zumeist sehr offensichtlich unterschieden werden kann. Die Unterscheidbarkeit der Horizonte ergibt sich bspw. durch Farbe, Humusgehalt/Huminstoffe, Texturwechsel, Bodengefüge/Aggregate, Vorkommen von Eisen, Aluminium und Mangan (z. B. deren Oxide). Die Horizontabfolge eines Bodens ist das maßgebliche Kriterium für die Ermittlung des vorliegenden Bodentyps. Vom Bodenhorizont ist die Bodenschicht abzugrenzen: Eine Schicht ist das Ergebnis geogener oder anthropogener Prozesse, also z. B. von natürlicher Akkumulation (nach Erosion und Verlagerung) oder künstlicher Aufschüttung (anthropogene Auflagerung). Die fachliche Aufnahme und Beschreibung der Bodenhorizonte und ihrer Merkmale erfolgt entsprechend der sog. Bodenklassifikation der Bodenkundlichen Kartieranleitung. Hierbei werden sog. Horizontsymbole (aus Großbuchtstaben in Kombination mit Kleinbuchtstaben) vergeben, welche die Eigenschaften der Bodenhorizonte und damit des Bodens in Kurzform beschreiben. Bestimmte typische Kombinationen von Horizonten definieren einen Bodentyp.
Bodenkunde
Die Bodenkunde ist die Wissenschaft von der Entstehung, den Eigenschaften, der Verbreitung und den Funktionen von Böden. Sie verbindet Erkenntnisse aus Geologie, Chemie, Biologie und Physik, um Bodenbildungsprozesse, Bodentypen und deren Nutzungseignung zu beschreiben. In Bau- und Planungsprozessen liefert die Bodenkunde die fachliche Grundlage für Bodenschutz, Baugrundbewertung und die Einordnung archäologisch relevanter Bodenhorizonte.
Bodenkundlich-geoarchäologisch
Der Begriff bodenkundlich-geoarchäologisch beschreibt die interdisziplinäre Herangehensweise, bei der bodenkundliche Methoden und Erkenntnisse mit geoarchäologischen Fragestellungen verknüpft werden. Ziel ist es, sowohl die natürliche Boden- und Landschaftsentwicklung als auch anthropogene Einflüsse und archäologische Befunde gemeinsam zu bewerten. Diese kombinierte Betrachtungsweise ermöglicht eine fundierte Einschätzung von Baugrund, Schutzgütern und potenziellen Bodendenkmälern im Rahmen von Planungs- und Bauprojekten.
Bodenkundliche Baubegleitung
Bodenkundliche Sachverständige begleiten und kontrollieren die festgelegten bodenschonenden Maßnahmen während der Bauausführung.
Bodenprofil
Als Bodenprofil wird ein von der Erdoberfläche senkrecht ausgeführter Schnitt durch einen Bodenkörper bezeichnet, anhand dessen der Bodenaufbau abgelesen werden kann. Der Profilschnitt zeigt die verschiedenen Bodenhorizonte und ermöglicht die Bestimmung von Bodentyp und weiterer Bodenparameter. Die verschiedenen erkennbaren Schichten des Bodenprofils werden als Bodenhorizonte angesprochen. Deren Vorhandensein und Ausprägung unterscheiden sich je nach sogenanntem Bodentyp, wobei Bodentypen charakteristische Horizontabfolgen aufweisen. Eine übliche Horizontabfolge beginnt im Regelfall mit einem humosen und belebten A-Horizont. Diesem folgt in der Tiefe ein von Verwitterungs- oder Verlagerungsvorgängen geprägter B-Horizont. Nach unten geht das Bodenprofil meistens diffus in das unverwitterte Ausgangsmaterial (C-Horizont, Ausgangsgestein) über. Sogenannte geköpfte Profile entstehen, wenn der Boden nach abgeschlossener Bodenbildung (Bodentyp) starker Erosion unterliegt, so dass ganze Horizonte abgetragen werden. Ehemals vorhandene archäologische Befunde können in diesem Fall teilweise oder in Gänze zerstört und in Richtung Hangfuß verlagert sein.
Bodenschäden
Bodenschäden bezeichnen nachteilige Veränderungen der natürlichen Bodenfunktionen, etwa durch Verdichtung, Erosion, Schadstoffeintrag, Vernässung oder den Verlust von Bodensubstanz. Sie können durch unsachgemäße Bauausführung, insbesondere durch Befahren mit schwerem Gerät bei ungünstiger Witterung, entstehen und sind häufig nur langfristig oder gar nicht reversibel. Die Vermeidung von Bodenschäden ist zentrales Ziel des Bodenschutzes und wird bei Bauvorhaben durch geeignete Schutzmaßnahmen und eine bodenkundliche Baubegleitung sichergestellt.
Bodenschicht
Als Bodenschicht wird eine in sich einheitliche Lage innerhalb des Bodenprofils bezeichnet, die sich durch Farbe, Textur, Materialzusammensetzung oder Entstehung von den darüber- und darunterliegenden Schichten unterscheidet. Bodenschichten können sowohl natürlich, etwa durch Bodenbildung oder Sedimentation, als auch anthropogen entstanden sein. Ihre systematische Ansprache in Profilschnitten oder Bohrkernen bildet die Grundlage für die Interpretation der Standort- und Nutzungsgeschichte.
Bodenschutz
Der Bodenschutz umfasst alle Maßnahmen zum Erhalt der natürlichen Bodenfunktionen sowie zur Vermeidung von Bodenschädigungen, etwa durch Verdichtung, Erosion, Schadstoffeintrag oder Versiegelung. Bei Bauvorhaben ist der Bodenschutz gesetzlich verankert, unter anderem im Bundes-Bodenschutzgesetz, und muss bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Fachgerechte Maßnahmen wie der getrennte Abtrag und die sachgerechte Zwischenlagerung von Ober- und Unterboden tragen dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten. Eine bodenkundliche Baubegleitung stellt sicher, dass diese Vorgaben während der gesamten Bauausführung eingehalten werden.
Bodenschutz in Baugebieten
Bodenschutz in Baugebieten umfasst die speziell auf Bauvorhaben zugeschnittenen Maßnahmen zum Schutz des Bodens vor Verdichtung, Vermischung und Schadstoffeintrag während Erd- und Bauarbeiten. Dazu zählen unter anderem die Festlegung von Baustraßen und Lagerflächen, der getrennte Abtrag und die fachgerechte Zwischenlagerung von Ober- und Unterboden sowie Regelungen zum Befahren bei ungünstiger Witterung. Eine bodenkundliche Baubegleitung überwacht die Einhaltung dieser Maßnahmen und dokumentiert den Zustand der betroffenen Böden vor, während und nach der Baumaßnahme.
Bodentyp
Bodentypen (als Ergebnis der Pedogenese/Bodenentwicklung) sind definiert als Boden mit einem identischen Entwicklungsstatus und einer bestimmten charakteristischen Kombination bzw. Abfolge von Bodenhorizonten. Die Böden Deutschlands werden nach realen Eigenschaften klassifiziert, wobei die Horizontabfolge (Profilaufbau), in der sich die Auswirkungen aller Faktoren der Bodenbildung manifestieren, entscheidend ist. Die Differenzierung bzw. Bodenentwicklung zu verschiedenen Bodentypen ergibt sich aus dem Ausgangsmaterial der Bodenbildung (Gesteinsart, organisches Material: Moor), dem Wasserregime (Regenwasser, Grundwasser/Stauwasser), dem Klima, der Vegetation, der Bodenfauna und Bodenflora, der Bewirtschaftung und damit insgesamt allen lokalen und regionalen bodenphysikalischen, bodenchemischen und bodenbiologischen Einflußfaktoren. Zwischen den Faktoren bestehen Einflüsse und Rückkopplungen. Bodentypen treten zumeist nicht in Reinform auf. Da die Pedogenese (Bodenbildung) fortschreitet und sich Standortfaktoren mit der Zeit ändern können, gibt es nacheinander oder gleichzeitige pedogenetische Prozesse, wodurch Kombinationen und Übergänge von Bodentypen entstehen. Eine Verwechselungsgefahr besteht zum Begriff Bodenart. Während der Bodentyp wie beschrieben die Erscheinungsform eines Bodens als Folge der Bodenbildung beschreibt, bezeichnet Bodenart (auch Textur/Körnung) die Korngrößenzusammensetzung der mineralischen Bodensubstanz.
Bohrprospektionen
Bohrprospektionen sind systematische Untersuchungen des Untergrunds mittels kleinkalibriger Bohrungen, um Aufschluss über Schichtenfolge, Bodenaufbau und mögliche archäologische Befunde zu erhalten, ohne größere Erdeingriffe vorzunehmen. Sie kommen häufig in der Planungsphase von Bauvorhaben zum Einsatz, um Trassen oder Baufelder vorab auf Bodendenkmäler oder problematische Baugrundverhältnisse zu prüfen. Die gewonnenen Bohrkerne werden bodenkundlich und gegebenenfalls archäologisch angesprochen und dokumentiert. Auf Basis der Ergebnisse lassen sich weitere Untersuchungsschritte, etwa gezielte Sondagen, ableiten.
C
C-Horizont
Untergrund (syn. Locker- und Felsgestein, Ausgangsmaterial/-gestein der Bodenbildung).
Catenen
Als Catena (Mehrzahl Catenen) wird in der Bodenkunde eine Abfolge unterschiedlicher, aber miteinander in Beziehung stehender Bodentypen entlang eines Hangprofils bezeichnet. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Böden einer Catena entstehen vor allem durch Relief, Wasserhaushalt und Materialverlagerung hangabwärts, etwa durch Erosion und Akkumulation. Die Analyse von Catenen hilft, die Landschafts- und Bodenentwicklung eines Gebietes im räumlichen Zusammenhang zu verstehen. Für geoarchäologische Fragestellungen liefert sie zudem Hinweise auf mögliche Erhaltungsbedingungen archäologischer Befunde an unterschiedlichen Hanglagen.
D
Datierung
Bestimmung eines Zeitpunktes oder -raumes unter Anwendung verschiedener Methoden zur Altersbestimmung.
Denkmalschutzbehörden
Denkmalschutzbehörden sind für die Durchführung von denkmalrechtlichen Verfahren zuständig und erster Ansprechpartner für die Öffentlichkeit. Die Behörden des Denkmalschutzes sind bundeslandspezifisch unterschiedlich gegliedert. Ihre Hierarchie kann je nach Bundesland einen zwei- oder dreizügigen Verwaltungsaufbau widerspiegeln: Die Obersten Denkmalschutzbehörden sind in der Regel bei den Landesregierungen angesiedelt. Sie nehmen Aufgaben allgemeinpolitischer Natur, Lenkungsaufgaben und Aufsichtsfunktionen über die ihnen nachgeordneten Behörden im Land wahr. Die Oberen bzw. Höheren Denkmalschutzbehörden sind in der Regel bei den Regierungspräsidien angesiedelt. Sie üben die Fachaufsicht über die Unteren Denkmalschutzbehörden aus und sind meist auch Widerspruchsbehörde. Nicht in allen Bundesländern existieren Obere bzw. Höhere Denkmalschutzbehörden. Die Unteren Denkmalschutzbehörden sind bei den Landkreisen/den kreisfreien Städten angesiedelt. Die Denkmalschutzgesetze weisen ihnen die grundsätzliche Zuständigkeit für alle Fragen des Denkmalschutzes zu und regeln die fachliche und rechtliche Zusammenarbeit mit den Denkmalfachbehörden. Eine Übersicht der Landesdenkmalämter/Landesämter für Denkmalpflege sowie der Unteren Denkmalschutzbehörden der Länder ist online verfügbar.
Denkmalschutzgesetz
Ein übergeordnetes Bundesdenkmalschutzgesetz besteht nicht, sondern die Regelungen fallen unter dem Gesichtspunkt der Kulturhoheit den Ländern zu, einschließlich einer länderspezifischen Definition der relevanten Bedeutungskategorien der Denkmalwürdigkeit. Eine Übersicht der Denkmalschutzgesetze (DSchG) der Länder ist online verfügbar.
Denkmalschutzrechtliche Erlaubnis
Für Arbeiten im Bereich von bekannten Bodendenkmälern oder im Bereich von Vermutungen, in denen Bodeneingriffe durchgeführt werden, bedarf es einer Denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis (BayDSchG Art. 7), falls eine konzentrierende Genehmigung im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses nicht vorliegt. Einzuholen ist die Grabungserlaubnis bei der jeweiligen Unteren Denkmalschutzbehörde (des Landkreises, der kreisfreien Stadt oder der Großen Kreisstadt).
Denudation
Denudation bezeichnet die Gesamtheit der Prozesse, durch die Gesteins- und Bodenmaterial an der Erdoberfläche abgetragen und flächenhaft umgelagert wird, etwa durch Verwitterung, Erosion und Massenbewegungen. Im Unterschied zur eher linienhaften Erosion wirkt die Denudation flächig und formt über lange Zeiträume das Relief einer Landschaft. Für die Geoarchäologie ist die Denudation von Bedeutung, da sie zur Freilegung, aber auch zur Zerstörung archäologischer Befunde an der Oberfläche beitragen kann.
Desktop-Studien
Eine archäologische Desktopstudie ist eine Methode zur Informationsbeschaffung, bei der öffentlich zugängliche historisch-geografische Archiv- und Kartendaten für den Untersuchungsraum mit neu erstellten Fernerkundungsdaten (Luftbilder, LIDAR-Daten, DOP und DGM) zusammengeführt und korreliert werden. Durch Kooperationsvereinbarungen von Vorhabenträgern und Landesämtern kann ggf. auch auf vorhandene Fachinformationssysteme mit Archivmaterial und Grabungsdokumentationen zugegriffen werden, wodurch noch näher spezifizierte Daten zu Bodendenkmälern und archäologischen Vermutungsflächen eingearbeitet werden können.
E
Erdkabel
Ein Erdkabel ist eine im Untergrund verlegte Leitung zur Übertragung von Strom, Daten oder anderen Medien, die im Gegensatz zur Freileitung nicht oberirdisch geführt wird. Die Verlegung von Erdkabeln erfordert Erdarbeiten entlang der gesamten Trasse und damit häufig eine bodenkundliche und geoarchäologische Begleitung, um Bodendenkmäler und schützenswerte Böden zu erkennen und zu schonen. Erdkabeltrassen zählen zu den linearen Projekten, bei denen archäologische Engstellen von besonderer Bedeutung sind.
Erosion
Erosion ist eine geogen verursachte Form der Abtragung von Bodenmaterial. Im engeren Sinn wird unter dem Begriff Erosion vor allem eine linienhafte Abtragung durch fließendes Wasser verstanden und der flächenhaft wirkenden Abtragung (Denudation) gegenübergestellt. Abtragung kann allerdings auch durch Wind stattfinden, dann allerdings zumeist flächenhaft. Abgetragen und transportiert werden grundsätzlich alle Materialien des Bodens, wobei diese der Erosion unterschiedlich Widerstand leisten oder der Erosion auch bis zu einem gewissen Grad entgegenwirken können. Maßgeblich für die Ausprägung der Erosion sind v.a. die Neigung der Geländeoberfläche (Relief), Bewuchs und Bewirtschaftung, die Niederschlagsmenge, der Humusgehalt des Bodens sowie die Korngrößenverteilung des Mineralbodens (Bodenart, Textur). Die Bedeutung der Erosion im archäologischen Kontext liegt darin, dass hierdurch einerseits Befunde zerstört und archäologisches Material verlagert werden können, andererseits kann erodiertes verlagertes Bodenmaterial aber auch Befunde in situ überdecken und damit konservieren (vergl. Kolluvien). Erosion bewirkt durch die damit einhergehende Verlagerung von Material, Auflagerungen an tiefer gelegenen Stellen (Akkumulation am Hangfuß). Diese grundsätzlich geogene Entstehung neuer Bodenschichten wird häufig ebenfalls als anthropogen verursacht betrachtet, da Erosionsprozesse vielfach in der Art und Weise der Bewirtschaftung eines Raumes oder Standortes durch den Menschen begründet liegen. So haben z. B. umfangreiche Abholzungen oder ein Wechsel von Weidewirtschaft zu Ackerbau (geringere/fehlende Bedeckung, Humuszehrung, temporäre Brache, Bodenbearbeitung in Hangrichtung statt quer zum Hang) in Verbindung mit einem geneigten Relief und anfälliger Bodenart der Erosion Vorschub geleistet. Es bedarf keiner Starkregenereignisse/Landregen, um Erosion oder Denudation in Gang zu setzen. Auch reguläre Regenereignisse sind bei entsprechenden Rahmenbedingungen für Verlagerungsvorgänge ausreichend. Bedeutsame Zeitstellungen für das Auftreten von (landschaftsprägenden) Erosionsprozessen sind das Neolithikum (Waldviehweide, inselhafte Rodungen und Ackerbau), die Bronzezeit (Rodungen für Ackerbau und Holzkohle: Metallverarbeitung), Eisenzeit (starke Beweidung, Ackerland), Römerzeit (massive Abholzungen, Ackerbau), Hoch-Mittelalter (Ausdehnung der Siedlungs- und Ackerflächen infolge Bevölkerungswachstum).
F
Fachbehörden
Fachbehörden sind die für Boden-, Denkmal- und Umweltschutz zuständigen staatlichen oder kommunalen Institutionen, etwa Landesämter für Denkmalpflege, untere Bodenschutzbehörden oder Umweltämter. Sie prüfen im Rahmen von Genehmigungsverfahren, ob Bauvorhaben mit den gesetzlichen Vorgaben zum Schutz von Böden und Bodendenkmälern vereinbar sind, und legen gegebenenfalls erforderliche Untersuchungs- oder Schutzmaßnahmen fest. Eine enge und frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden ist für einen reibungslosen Projektablauf unerlässlich.
Fachbeiträge
Fachbeiträge sind gutachterliche Stellungnahmen oder Berichte, in denen bodenkundliche, geoarchäologische oder denkmalpflegerische Fragestellungen zu einem Bauvorhaben fachlich bewertet werden. Sie fließen unter anderem in Planfeststellungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder sonstige Genehmigungsverfahren ein und dienen den zuständigen Behörden als fachliche Entscheidungsgrundlage. Ein Fachbeitrag fasst in der Regel die Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen zusammen und leitet daraus konkrete Maßnahmen oder Empfehlungen ab.
Feinplanum
Herstellen einer künstlichen, hochqualitativen Bodenoberfläche auf Höhe des B- und/oder C-Horizontes oder im Kolluvium zur eindeutigen Abgrenzung und Erkennbarkeit archäologischer Befunde.
Feldbegehungen
Systematisches Absuchen der Oberfläche im Gelände nach Artefakten und Hinweisen auf Bodendenkmäler. Die Bergung etwaiger Funde an der Bodenoberfläche erfolgt ohne Bodeneingriff. Siehe nicht-invasive Prospektion.
Fernerkundung
Sichtung von Oberflächen- und Bewuchsanomalien, die Bodendenkmäler anzeigen können, unter Zuhilfenahme von Satellitenbildern, Drohnenfotos, hochauflösenden digitalen Geländemodellen, etc.
Feuchtbodenerhaltung
Bedingt durch ein besonders günstiges Milieu können sich unter Luftabschluss organische Materialien erhalten. Mitunter handelt es sich dabei um seltene archäologisch relevante Objekte, die unter anderen Lagerbedingungen nach kurzer Dauer zerfallen wären. Durch eine, selbst temporäre, Zufuhr von Sauerstoff wird der Zersetzungsprozess unwiderruflich angestoßen.
FIS
FIS steht für Fachinformationssystem und bezeichnet eine digitale, meist behördlich geführte Datenbank, in der raumbezogene Fachdaten, etwa zu Böden, Altlasten, Bodendenkmälern oder Schutzgebieten, erfasst und verwaltet werden. Für Bauvorhaben bilden solche Fachinformationssysteme bereits in der Desktop-Studie eine wichtige Datengrundlage, da sie Hinweise auf bekannte Bodendenkmäler, geschützte Böden oder Altlastenverdachtsflächen liefern. Die enthaltenen Daten werden häufig mit Geoinformationssystemen (GIS) verknüpft und ausgewertet.
Freileitung
Eine Freileitung ist eine oberirdisch auf Masten geführte Leitung zur Übertragung elektrischer Energie. Im Gegensatz zum Erdkabel sind für ihre Errichtung in der Regel nur punktuelle Eingriffe in den Boden erforderlich, etwa für die Mastfundamente, wodurch der Umfang bodenkundlicher und geoarchäologischer Untersuchungen häufig geringer ausfällt als bei Erdverlegungen. Dennoch können auch hier Bodendenkmäler betroffen sein, insbesondere im Bereich der Fundamentflächen und Zuwegungen.
Fund
Ein Fund ist ein verlagerter Befund (z. B. ein Keramikrest), der z. B. durch landwirtschaftliches Pflügen oder Erosionsvorgänge aus dem Befundkontext gerissen wurde. Im Unterschied zum Befund befindet sich ein Fund somit nicht mehr in situ.
Fundbearbeitung
Bearbeitung der während einer Grabung aufgenommenen Fundobjekte. Inkludiert Säuberung, Ansprache, Inventarisierung, Verpackung etc. Aufgrund der notwendigen Arbeitsschritte häufig erst deutlich nach Abschluss der Feldarbeiten durchführbar.
G
Geoarchäologie
Die Geoarchäologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die geowissenschaftliche Methoden, insbesondere aus Bodenkunde, Geologie und Geomorphologie, mit archäologischen Fragestellungen verbindet. Sie untersucht die natürlichen und anthropogen überprägten Landschaften, in denen archäologische Befunde eingebettet sind, um deren Entstehung, Erhaltung und zeitliche Einordnung besser zu verstehen. Im Rahmen von Bauvorhaben liefert die Geoarchäologie wichtige Grundlagen für die Bewertung von Konfliktbereichen und die Planung von Untersuchungsmaßnahmen.
Geoarchäologische Baubegleitung
Geoarchäologisch-geowissenschaftliche Begleitung der archäologischen Maßnahme: Begutachtung und Betreuung der Anlage von Suchschnitten, Baggersondagen, Plana und Feinplana zur Prüfung der Lage des potenziellen archäologischen Befundhorizontes. Erkennung von Pseudobefunden (Bodenbildungserscheinungen) und Feststellung von Überdeckungen, Erosionsvorgängen, Kartierung der Bodenauflagen zur Überprüfung eines möglichen Befundschutzes für z. B. Tiefenlockerungsmaßnahmen.
Geomagnetik
Die Geomagnetik ist ein geophysikalisches Prospektionsverfahren, das kleinste Abweichungen im Erdmagnetfeld misst, welche durch Bodenveränderungen wie Verfüllungen, Brandspuren oder Mauerreste im Untergrund verursacht werden. Die gemessenen Daten werden zu flächenhaften Magnetogrammen verarbeitet, in denen sich archäologische Strukturen oft deutlich abzeichnen. Als zerstörungsfreies Verfahren eignet sich die Geomagnetik besonders zur großflächigen Voruntersuchung von Trassen oder Baufeldern.
Geomorphologie
Die Geomorphologie ist die Wissenschaft von den Oberflächenformen der Erde und den Prozessen, die zu ihrer Entstehung und Veränderung führen, etwa Erosion, Denudation, Akkumulation und Sedimentation. Sie liefert wichtige Grundlagen für das Verständnis von Reliefentwicklung, Hangprozessen und Landschaftsgeschichte. In der Geoarchäologie hilft die geomorphologische Analyse, die Erhaltungsbedingungen archäologischer Befunde in Abhängigkeit von der Landschaftsentwicklung einzuschätzen.
geophysikalisch
Mit geophysikalischen Messungen lässt sich im Boden befindliche archäologische Substanz aufspüren, ohne dass dabei der Untergrund aufgegraben werden muss. Objekte zeigen sich auf Messbildern in Form von Anomalien, bei denen es sich um archäologisch relevante Objekte oder Befunde handeln kann. Die am häufigsten angewandte Methode ist die Geomagnetik. Weitere Methoden sind u.a. Geoelektrik und Bodenradar. Siehe auch nicht-invasive Prospektion.
Geoprofile
Geoprofile sind vertikale Aufschlüsse oder zeichnerische Darstellungen des Bodenaufbaus, in denen die Abfolge einzelner Bodenhorizonte oder Sedimentschichten sichtbar gemacht und dokumentiert wird. Sie werden etwa an Grabungsschnitten, Baugruben oder Bohrkernen angelegt und bodenkundlich sowie gegebenenfalls archäologisch angesprochen. Anhand von Geoprofilen lassen sich Aussagen zur Genese, zum Alter und zu möglichen anthropogenen Veränderungen eines Standortes treffen.
GIS
GIS steht für Geoinformationssystem und bezeichnet eine Software zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Darstellung raumbezogener Daten. In der Bodenkunde und Geoarchäologie werden GIS-Anwendungen genutzt, um beispielsweise Bodenkarten, Fundstellen, Trassenverläufe oder Ergebnisse von Prospektionen räumlich zu verorten und miteinander zu verschneiden. GIS-gestützte Auswertungen bilden häufig die Grundlage für die Planung von Untersuchungsmaßnahmen sowie für Fachbeiträge im Rahmen von Genehmigungsverfahren.
Grabungsplana
Als Grabungsplanum wird eine horizontale, freigelegte Fläche innerhalb einer archäologischen Ausgrabung bezeichnet, auf der Befunde wie Gruben, Gräben oder Mauerreste im Grundriss sichtbar werden und dokumentiert werden können. Im Verlauf einer Ausgrabung werden häufig mehrere aufeinanderfolgende Plana in unterschiedlichen Tiefen angelegt, um die stratigraphische Abfolge der Befunde zu erfassen. Jedes Planum wird fotografisch, zeichnerisch und schriftlich dokumentiert, bevor mit dem Abtrag der nächsten Schicht begonnen wird.
H
Hangfuß
Der Hangfuß bezeichnet den unteren, meist flacher werdenden Abschnitt eines Hanges, an dem hangabwärts transportiertes Material, etwa Kolluvien, bevorzugt abgelagert wird. Aufgrund der dort häufig mächtigeren Sedimentabfolgen können am Hangfuß archäologische Befunde besonders gut überdeckt und damit geschützt erhalten sein. Bei geoarchäologischen Untersuchungen wird dem Hangfuß daher oft besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Historische Oberfläche
Als Historische Oberfläche wird eine ehemalige, heute meist überdeckte Geländeoberfläche bezeichnet, auf der zu einem bestimmten Zeitpunkt Nutzung oder Besiedlung stattfand. Sie ist häufig an einem eigenen Bodenhorizont, etwa einem fossilen Boden oder einer Kulturschicht, erkennbar und liefert wichtige Informationen zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte eines Standortes. Der Nachweis einer historischen Oberfläche ist für die geoarchäologische Bewertung eines Fundplatzes von zentraler Bedeutung.
Holozän
Gegenwärtiges Erdzeitalter, begann vor 11.700 Jahren mit dem Ende der letzten Eiszeit. Das vorhergehende Erdzeitalter war das Pleistozän.
Humus und Huminstoffe
Humus ist die Gesamtheit der organischen Substanz im Boden, die durch den Ab- und Umbau abgestorbener Pflanzen- und Tierreste entsteht. Huminstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil des Humus und bilden dunkle, chemisch stabile organische Verbindungen, die maßgeblich zur Bodenfruchtbarkeit, Wasserspeicherung und Nährstoffbindung beitragen. Der Humusgehalt eines Bodens gilt daher als wichtiger Indikator für dessen Qualität und wird bei bodenkundlichen Untersuchungen routinemäßig erfasst.
I
In situ
Fund/Befund, der sich in seiner ursprünglichen Position/Lage befindet. Lateinisch situs: Ort, Lage.
invasive Propektionen
Suche nach archäologischen Fundstellen mittels limitierter Bodeneingriffe. Der Bodenaushub erfolgt bis auf die Höhe des möglichen Befundhorizontes zur Klärung, ob sich archäologische Substanz im Boden befindet.
K
Kohlenstoffdatierung
Die 14C-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) nutzt den radioaktiven Zerfall des Kohlenstoffisotops 14C, um das Alter organischer Materialien wie Holzkohle, Knochen oder Torf zu bestimmen. Da der Zerfall mit einer bekannten Halbwertszeit von rund 5.730 Jahren abläuft, lässt sich aus dem verbliebenen 14C-Anteil einer Probe ihr Todeszeitpunkt errechnen. In der Geoarchäologie wird die Methode eingesetzt, um archäologische Befunde, Bodenhorizonte oder Sedimentabfolgen zeitlich einzuordnen. Sie liefert zuverlässige Ergebnisse für einen Zeitraum von etwa 300 bis 50.000 Jahren vor heute.
Kolluvien
Kolluvien sind Bodensedimente, die durch Erosion an Hängen abgetragen und weiter unten oder am Hangfuß wieder abgelagert wurden, häufig infolge landwirtschaftlicher Bodenbearbeitung. Sie zeichnen sich meist durch eine unregelmäßige Schichtung sowie eingelagertes Material aus höher gelegenen Bodenhorizonten aus. Für die Geoarchäologie sind Kolluvien von besonderem Interesse, da sie archäologische Befunde am Hangfuß überdecken und dadurch schützen können, gleichzeitig aber auch verlagertes Fundmaterial enthalten können, dessen ursprüngliche Lage nicht mehr eindeutig rekonstruierbar ist.
Konfliktbereiche
Als Konfliktbereiche werden Abschnitte eines Bauvorhabens bezeichnet, in denen die geplanten Baumaßnahmen mit schützenswerten Böden, Bodendenkmälern oder anderen Belangen des Boden- und Denkmalschutzes kollidieren. Sie werden im Rahmen der Planung durch Desktop-Studien, Prospektionen und die Auswertung von Fachinformationssystemen identifiziert. Für Konfliktbereiche werden in der Regel gesonderte Untersuchungs- oder Vermeidungsmaßnahmen erarbeitet, um Risiken für den Bauablauf frühzeitig zu minimieren.
Konfliktpotenzial / Konfliktpotenzialklassen
Das Konfliktpotenzial beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Bauvorhaben mit schützenswerten Böden, Bodendenkmälern oder anderen Belangen des Boden- und Denkmalschutzes in Konflikt gerät. Zur besseren Einschätzung wird das Konfliktpotenzial häufig in Konfliktpotenzialklassen eingeteilt, etwa nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Bedeutung des betroffenen Schutzgutes. Diese Klassifizierung dient als Grundlage für die Priorisierung von Untersuchungsmaßnahmen und die Ausweisung von Konfliktbereichen entlang einer Trasse.
Konservatorische Überdeckung / Temporäre Überdeckung
Versuch, Bodendenkmäler durch Überschüttung/oberflächliche Lastverteilung dauerhaft oder temporär vor Beeinträchtigungen oder Zerstörung zu bewahren.
Kulturerbe
Gesamtheit der Kulturgüter einer Gruppe oder Gesellschaft von früheren Generationen. Nicht alle Hinterlassenschaften vergangener Generationen sind "Erbe", vielmehr ist das Erbe eine Auswahl von als identitätsspendend empfundener kultureller Ressourcen und Traditionen durch die Gruppe oder Gesellschaft.
Kulturgut
Zeugnisse menschlichen Handelns ideeller, geistiger und materieller Art, die als solche für eine Kulturgruppe oder Gesellschaft bedeutsam sind. In der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Allgemeinen definiert als geschützte oder schützenswerte Kultur-, Bau- und Bodendenkmale (und Ensembles derer), historische Kultur- Landschaften und Landschaftsteile von besonders charakteristischer Eigenart.
Kulturlandschaft / Historische Kulturlandschaft
Landschaftsgebiet, welches sehr stark durch Elemente oder Strukturen abgeschlossener Epochen geprägt wird. Hierbei können verschiedene Denkmalklassen unterschiedlicher Epochen nebeneinander und in Wechselwirkung miteinander stehen.
L
La Valletta Verordnung / Charta von La Valletta
Die Charta von La Valletta, auch Europäisches Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes genannt, ist ein 1992 unterzeichnetes internationales Abkommen, das den Schutz, die Erforschung und den Erhalt archäologischer Substanz europaweit regelt. Sie verankert unter anderem das Verursacherprinzip, wonach die Kosten notwendiger archäologischer Untersuchungen bei Bauvorhaben grundsätzlich vom Vorhabenträger zu tragen sind. In Deutschland wird die Charta über die Denkmalschutzgesetze der Länder in nationales Recht umgesetzt und bildet damit die rechtliche Grundlage für bauvorgreifende und baubegleitende archäologische Untersuchungen.
Landschaft, Landschaftsraum, Landschaftsentwicklung
Als Landschaft wird ein durch natürliche und anthropogene Prozesse geprägter Ausschnitt der Erdoberfläche mit charakteristischem Relief, Boden, Vegetation und Nutzung bezeichnet, der sich als Landschaftsraum räumlich abgrenzen lässt. Die Landschaftsentwicklung beschreibt die Veränderung dieser Landschaft über die Zeit, etwa durch Klimawandel, Bodenbildung, Erosion oder menschliche Besiedlung. Das Verständnis der Landschaftsentwicklung eines Untersuchungsgebietes ist eine wichtige Grundlage der geoarchäologischen Bewertung, da es Rückschlüsse auf Siedlungsgunst und Erhaltungsbedingungen archäologischer Befunde erlaubt.
Laufhorizont
Ehemals begangene, historische Bodenoberfläche. (syn. Begehungshorizont, Gehhorizont).
Leistungsbeschreibung
Die Leistungsbeschreibung ist ein zentrales Dokument im Rahmen der Auftragsvergabe, in dem Art, Umfang und Anforderungen der zu erbringenden bodenkundlichen oder geoarchäologischen Leistungen detailliert festgelegt werden. Sie bildet die Grundlage für die Angebotserstellung und die spätere Vertragsgestaltung zwischen Auftraggeber und Fachbüro. Eine präzise Leistungsbeschreibung trägt dazu bei, Umfang und Qualität der Untersuchungen von Beginn an klar zu definieren und spätere Unklarheiten zu vermeiden.
Leistungsverzeichnis
Das Leistungsverzeichnis ist Bestandteil der Vergabeunterlagen und listet die im Rahmen eines Auftrags zu erbringenden Einzelleistungen mit Mengen- und Qualitätsangaben auf, auf deren Basis Bieter ihr Angebot kalkulieren. Für bodenkundliche und geoarchäologische Leistungen enthält es beispielsweise Positionen zu Bohrprospektionen, Profilschnitten oder der baubegleitenden Betreuung. Es ist von der auf konkrete Leitungstrassen bezogenen Bestandsdokumentation im Leitungsverzeichnis (mit „t“) zu unterscheiden.
Leitungsverzeichnis
Ein Leitungsverzeichnis ist eine Übersicht über im Untergrund vorhandene oder geplante Leitungen, etwa für Strom, Gas, Wasser oder Telekommunikation, die im Rahmen von Bauvorhaben zu berücksichtigen sind. Für bodenkundliche und geoarchäologische Untersuchungen ist das Leitungsverzeichnis wichtig, um Bohrungen, Sondagen oder geophysikalische Messungen sicher zu planen und Kollisionen mit bestehenden Leitungen zu vermeiden. Es wird in der Regel von den zuständigen Leitungsbetreibern bereitgestellt.
LIDAR
LIDAR (Light Detection and Ranging) ist ein flugzeug- oder drohnengestütztes Laserscanverfahren, mit dem hochauflösende digitale Geländemodelle der Erdoberfläche erstellt werden. Da der Laserstrahl auch durch Vegetationslücken bis zum Boden vordringen kann, lassen sich mit LIDAR selbst unter Wald verborgene Reliefstrukturen wie Wälle, Gräben oder Grabhügel sichtbar machen. In der Geoarchäologie wird LIDAR häufig zur großflächigen Ersterkundung von Untersuchungsgebieten eingesetzt.
Lineare Projekte
Als lineare Projekte werden Bauvorhaben bezeichnet, die sich über längere, meist schmale Trassen erstrecken, etwa Straßen, Bahnstrecken, Strom- oder Rohrleitungstrassen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie häufig sehr unterschiedliche Böden, Landschaftsräume und Nutzungsgeschichten durchqueren und damit ein hohes Potenzial für archäologische Engstellen und Konfliktbereiche aufweisen. Für lineare Projekte ist eine frühzeitige, streckenbezogene Desktop-Studie und Prospektion besonders wichtig, um Untersuchungsaufwand und Bauablauf aufeinander abzustimmen.
Luftbilder
Luftbilder sind aus der Luft aufgenommene Fotografien der Erdoberfläche, die in der Geoarchäologie zur Erkennung von Bodendenkmälern, Bewuchs- und Bodenmerkmalen sowie Reliefunterschieden genutzt werden. Insbesondere Bewuchsmerkmale, die durch unterschiedliches Pflanzenwachstum über verfüllten Gräben oder Mauerresten entstehen, können auf Luftbildern archäologische Strukturen sichtbar machen, die am Boden nicht erkennbar sind. Historische Luftbilder liefern zudem wertvolle Informationen zur früheren Landnutzung eines Gebietes.
M
mikromorphologisch
Das Adjektiv mikromorphologisch bezieht sich auf die Untersuchung von Bodendünnschliffen unter dem Mikroskop, mit deren Hilfe feinste Gefüge-, Material- und Verlagerungsmerkmale eines Bodens sichtbar gemacht werden. Mikromorphologische Analysen erlauben Rückschlüsse auf Bodenbildungsprozesse, anthropogene Einflüsse oder die Entstehung einzelner Sedimentlagen, die im Gelände mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. In der Geoarchäologie werden sie häufig ergänzend zu Geländeansprachen eingesetzt, um Befundschichten und ihre Entstehung genauer zu deuten.
Mitigationsmaßnahmen
Mitigationsmaßnahmen sind Maßnahmen, mit denen die durch ein Bauvorhaben verursachten nachteiligen Auswirkungen auf Böden, Bodendenkmäler oder andere Schutzgüter vermieden, vermindert oder ausgeglichen werden. Sie reichen von planerischen Anpassungen der Trassenführung über technische Schutzmaßnahmen bis hin zu einer baubegleitenden Betreuung oder gezielten Ausgrabungen. Mitigationsmaßnahmen werden häufig im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Planfeststellungsverfahren festgelegt und sind Bestandteil der Risikomitigation eines Projekts.
N
nicht-invasive Prospektionen
Nicht invasive Prospektionsmethoden dienen der Ortung archäologischer Fundstellen, ohne dabei in ihre Substanz / den Boden einzugreifen. Siehe z. B. Geophysik und (Feld-) Begehung.
O
Oberboden
Der Oberboden ist der oberste, meist humusreiche Bodenhorizont, der aufgrund seines Nährstoff- und Lebendgewichts die Grundlage der Bodenfruchtbarkeit bildet. Bei Bauvorhaben wird der Oberboden zum Schutz seiner Funktionen grundsätzlich getrennt vom Unterboden abgetragen, fachgerecht zwischengelagert und nach Bauende wieder aufgebracht. Der schonende Umgang mit dem Oberboden ist ein zentrales Element des Bodenschutzes in Baugebieten.
Oberbodenabtrag
Der Oberbodenabtrag bezeichnet das gezielte, in der Regel maschinelle Abschieben des humusreichen Oberbodens vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten. Er erfolgt getrennt vom Unterboden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und eine spätere Wiederverwendung zu ermöglichen. Da beim Oberbodenabtrag oft erstmals archäologische Befunde oder historische Oberflächen sichtbar werden, wird er häufig durch eine bodenkundliche oder geoarchäologische Baubegleitung überwacht.
OSL
OSL steht für optisch stimulierte Lumineszenz und bezeichnet ein Datierungsverfahren, mit dem der Zeitpunkt bestimmt werden kann, an dem mineralische Sedimentkörner zuletzt Sonnenlicht ausgesetzt waren. Dabei wird die im Kristallgitter der Minerale gespeicherte Strahlungsenergie durch Lichteinwirkung im Labor freigesetzt und gemessen. Die OSL-Methode eignet sich besonders zur Datierung von Sedimenten, in denen kein organisches Material für eine 14C-Datierung vorhanden ist, etwa Löss, Flug- oder Flusssande.
P
Pflughorizont
Als Pflughorizont oder Ap-Horizont wird ein ackerbaulich genutzter Oberboden bezeichnet. Die intensive landwirtschaftliche Bearbeitung erfolgt dabei wendend (Pflug) oder nicht wendend (Grubber). In Folge der üblichen Bearbeitungs- bzw. Eingriffstiefe des Pfluges beträgt die Mächtigkeit des Horizontes meist 30-45 cm. Der Pflughorizont besitzt durch seinen erhöhten Humusgehalt eine dunklere Braun-Färbung sowie eine zumeist scharfe Abgrenzung zum darunter liegenden Horizont.
Pfostengrube
Häufiger Erdbefund. I.d. R. rundliche Verfärbung mit dunklerem Zentrum. Bezeichnung für eine Grube, die ursprünglich einen in die Erde gestellten Pfosten enthielt. Bedeutung des Geoarchäologen! Scheinbefund!
Pfostenhaus
Nachweise von Pfostenhäusern zeichnen sich im archäologischen Befund durch systematisch-geordnet anzutreffende Pfostengruben ab, die durch ihre Anordnung einen Hausgrundriss ergeben.
Planfeststellung
Die Planfeststellung ist ein förmliches Verwaltungsverfahren, in dem größere Infrastrukturvorhaben wie Straßen, Bahnstrecken oder Leitungstrassen rechtlich verbindlich genehmigt werden. Im Zuge des Verfahrens werden alle betroffenen öffentlichen und privaten Belange, einschließlich Boden- und Denkmalschutz, geprüft und gegeneinander abgewogen. Bodenkundliche und geoarchäologische Fachbeiträge fließen dabei als Entscheidungsgrundlage in die Planfeststellungsunterlagen ein.
Planfeststellungsunterlagen
Planfeststellungsunterlagen sind die Gesamtheit der Dokumente, die im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens bei der zuständigen Behörde eingereicht werden, um ein Infrastrukturvorhaben genehmigen zu lassen. Sie umfassen unter anderem technische Planungen, Umweltgutachten sowie Fachbeiträge zu Boden- und Denkmalschutzbelangen. Die enthaltenen bodenkundlichen und geoarchäologischen Fachbeiträge dokumentieren mögliche Konfliktbereiche und die daraus abgeleiteten Untersuchungs- oder Schutzmaßnahmen.
Profilschnitte
Profilschnitte sind gezielt angelegte, senkrechte Aufschlüsse im Boden, an denen die Abfolge der Bodenhorizonte oder Sedimentschichten sichtbar gemacht und angesprochen werden kann. Sie werden sowohl in der Bodenkunde zur Bodenklassifikation als auch in der Geoarchäologie zur Erfassung von Befundschichten und stratigraphischen Zusammenhängen angelegt. Jeder Profilschnitt wird in der Regel fotografisch dokumentiert und zeichnerisch aufgenommen, um die Ergebnisse nachvollziehbar festzuhalten.
Prospektion
Die Prospektion umfasst alle Methoden zur systematischen Erkundung eines Untersuchungsgebietes auf Bodendenkmäler, archäologische Befunde oder relevante Bodenverhältnisse, bevor größere Eingriffe erfolgen. Man unterscheidet dabei invasive Prospektionen, bei denen aktiv in den Boden eingegriffen wird, von nicht-invasiven Verfahren wie Luftbildauswertung, LIDAR oder Geomagnetik. Die Wahl der geeigneten Prospektionsmethode richtet sich nach Geländebeschaffenheit, Fragestellung und dem zu erwartenden Untersuchungsaufwand.
Pürckhauer
Der Pürckhauer ist ein handgeführter Bohrstock mit halbrundem Hohlraum, der in der Bodenkunde zur schnellen und einfachen Entnahme ungestörter Bodenproben aus geringen bis mittleren Tiefen eingesetzt wird. Mit seiner Hilfe lässt sich der Bodenaufbau vor Ort direkt ansprechen, etwa zur Bestimmung von Bodenart, Horizontfolge oder Verfärbungen. Aufgrund seiner einfachen Handhabung ist der Pürckhauer eines der gebräuchlichsten Werkzeuge der bodenkundlichen Feldarbeit.
Putzen
Präparierung eines Planums oder Profils zur Erleichterung einer archäologischen Bewertung.
R
Rammkern
Ein Rammkern ist eine mittels Rammkernsondierung gewonnene, weitgehend ungestörte Bodenprobe, die durch das Einschlagen eines Kernrohrs in den Untergrund entnommen wird. Im Gegensatz zu einfachen Bohrstöcken wie dem Pürckhauer ermöglichen Rammkernsondierungen die Gewinnung durchgängiger Profile auch aus größeren Tiefen und in schwierigeren Böden. Die gewonnenen Rammkerne werden anschließend bodenkundlich und gegebenenfalls sedimentologisch angesprochen und dokumentiert.
Relief
Das Relief bezeichnet die Gesamtheit der Höhenunterschiede und Oberflächenformen eines Geländes, etwa Hänge, Kuppen, Täler oder Ebenen. Es wird durch geomorphologische Prozesse wie Erosion, Denudation und Akkumulation geformt und beeinflusst maßgeblich Wasserhaushalt, Bodenbildung und Landnutzung eines Gebietes. Für die Geoarchäologie ist das Relief von Bedeutung, da es Aussagen über die Siedlungsgunst sowie über die Erhaltungsbedingungen archäologischer Befunde an unterschiedlichen Geländepositionen ermöglicht.
Rezenter Befund
Terminus für Befunde, die in jüngster Zeit entstanden sind, beispielsweise der Graben für eine Telefonleitung. Als Faustregel gilt: Nicht älter als etwa 1950. Rezente Befunde werden i.d. R. nicht als Bodendenkmäler gewertet.
Risikomitigation
Risikomitigation bezeichnet die Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen im Vorfeld und während eines Bauvorhabens erkannte Risiken, etwa im Zusammenhang mit Bodendenkmälern, kontaminierten Böden oder schützenswerten Bodenfunktionen, reduziert oder vermieden werden. Dazu zählen unter anderem die frühzeitige Identifikation von Konfliktbereichen, angepasste Bauverfahren sowie eine baubegleitende fachliche Betreuung. Ziel der Risikomitigation ist es, Bauverzögerungen, Mehrkosten und Schäden an schützenswerten Gütern so weit wie möglich zu vermeiden.
S
Scheinbefund
Als Scheinbefund wird eine Bodenverfärbung oder -struktur bezeichnet, die zunächst wie ein archäologischer Befund erscheint, sich bei genauerer Untersuchung jedoch als natürlich entstanden erweist, etwa durch Tiergänge, Wurzelspuren oder Bodenbildungsprozesse. Die korrekte Unterscheidung zwischen echten Befunden und Scheinbefunden erfordert Erfahrung und eine sorgfältige bodenkundliche Ansprache. Eine fehlerhafte Einordnung kann sowohl zu unnötigem Untersuchungsaufwand als auch zur Übersehung tatsächlicher archäologischer Befunde führen.
Schicht
Der Begriff Schicht wird im bodenkundlichen und archäologischen Zusammenhang synonym zu Bodenschicht verwendet und bezeichnet eine in sich einheitliche, von den benachbarten Lagen unterscheidbare Einheit innerhalb eines Boden- oder Sedimentprofils. Nähere Erläuterungen finden sich unter dem Eintrag Bodenschicht.
Sedimentation
Sedimentation bezeichnet den Prozess der Ablagerung von durch Wasser, Wind oder Eis transportiertem Material an der Erdoberfläche. Über lange Zeiträume entstehen durch Sedimentation charakteristische Schichtabfolgen, die Rückschlüsse auf frühere Umwelt- und Landschaftsbedingungen erlauben. In der Geoarchäologie können Sedimentationsprozesse archäologische Befunde überdecken und damit konservieren, gleichzeitig aber auch deren Auffindung erschweren.
Siedlungsgunst / Gunstlage / Inwertsetzung
Die Siedlungsgunst beschreibt die Eignung eines Standortes für menschliche Besiedlung, die sich unter anderem aus Relief, Bodenqualität, Wasserverfügbarkeit und Klima ergibt. Standorte mit besonders günstigen Bedingungen werden als Gunstlagen bezeichnet und weisen häufig eine besonders lange und intensive Nutzungsgeschichte auf. Die Inwertsetzung beschreibt in diesem Zusammenhang den Prozess, durch den ein Standort im Zuge seiner Nutzung durch den Menschen wirtschaftlich oder kulturell erschlossen und aufgewertet wurde. Die Analyse von Siedlungsgunst und Gunstlagen hilft, das archäologische Fundpotenzial eines Untersuchungsgebietes besser einzuschätzen.
Siedlungslandschaften
Siedlungslandschaften bezeichnen Landschaftsräume, deren heutige Gestalt maßgeblich durch frühere und gegenwärtige menschliche Siedlungstätigkeit geprägt wurde, etwa durch Wohnplätze, landwirtschaftliche Nutzung oder Infrastruktur. Die Untersuchung von Siedlungslandschaften verbindet bodenkundliche, geoarchäologische und historische Methoden, um die Entwicklung von Besiedlung und Landnutzung über lange Zeiträume nachzuvollziehen. Für Bauvorhaben liefert das Verständnis der Siedlungslandschaft wichtige Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit archäologischer Befunde in einem Untersuchungsgebiet.
Stratigraphie
Die Stratigraphie beschreibt die Abfolge und Lagerung von Boden- und Sedimentschichten sowie archäologischen Befundschichten in ihrer zeitlichen Reihenfolge. Grundlage ist das stratigraphische Prinzip, wonach tiefer liegende Schichten in der Regel älter sind als die darüberliegenden, sofern keine nachträglichen Störungen vorliegen. Die stratigraphische Auswertung von Profilschnitten und Grabungsplana ist eine zentrale Methode zur relativen Datierung von Befunden und zur Rekonstruktion der Nutzungsgeschichte eines Standortes.
Stromtrasse
Eine Stromtrasse ist der geplante oder bestehende Verlauf einer Leitung zur Übertragung elektrischer Energie, sei es als Erdkabel oder als Freileitung. Als lineares Projekt durchquert eine Stromtrasse häufig unterschiedliche Böden und Landschaftsräume, wodurch entlang ihres Verlaufs mit einer unterschiedlichen Dichte an Bodendenkmälern und Konfliktbereichen zu rechnen ist. Die bodenkundliche und geoarchäologische Begleitung von Stromtrassenprojekten reicht von der Desktop-Studie über Prospektionen bis zur baubegleitenden Betreuung der Bauarbeiten.
Suchschnitt
Ein Suchschnitt ist ein gezielt angelegter, meist schmaler Grabungsschnitt, mit dem eine Verdachtsfläche gezielt auf das Vorhandensein archäologischer Befunde überprüft wird. Er dient dazu, mit vergleichsweise geringem Aufwand Aussagen über Art, Ausdehnung und Erhaltungszustand möglicher Befunde zu treffen, bevor über weitergehende Untersuchungen entschieden wird. Suchschnitte zählen zu den invasiven Prospektionen und werden häufig ergänzend zu geophysikalischen Untersuchungen eingesetzt.
T
Tiefenlockerung/Tiefenbearbeitung
Mechanisches Aufbrechen zur Rekultivierung verdichteter Bodenschichten im B- und C-Horizont.
U
Überdeckung
Natürliches oder anthropogen entstandenes Bodensubstrat, dass alte Bodenoberflächen oder archäologische Befunde überdecken kann (z. B. anthropogener Bodenauftrag, Kolluvium, Flugsand, Terrasse).
Umweltverträglichkeitsprüfung / UVP
Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren zur systematischen Ermittlung, Beschreibung und Bewertung der Auswirkungen eines Vorhabens auf Umweltgüter wie Boden, Wasser, Klima und Kulturgüter. Sie ist häufig Bestandteil eines Planfeststellungsverfahrens und bezieht bodenkundliche sowie geoarchäologische Fachbeiträge als fachliche Grundlage mit ein. Auf Basis der UVP werden erforderliche Mitigationsmaßnahmen zur Vermeidung oder Minderung nachteiliger Umweltauswirkungen festgelegt.
V
Vermutungsflächen, Verdachtsflächen
Als Vermutungs- oder Verdachtsflächen werden Bereiche eines Untersuchungsgebietes bezeichnet, in denen aufgrund von Vorrecherchen, etwa aus Desktop-Studien, Luftbildern oder Fachinformationssystemen, mit dem Vorhandensein von Bodendenkmälern oder Altlasten gerechnet wird, ohne dass dies bereits gesichert ist. Sie bilden die Grundlage für die gezielte Planung weiterer Untersuchungen, etwa Suchschnitte oder Bohrprospektionen, um den Verdacht zu erhärten oder auszuräumen. Die Ausweisung von Verdachtsflächen dient dazu, den Untersuchungsaufwand eines Projekts sinnvoll zu priorisieren.
Vorbereitende archäologische Arbeiten nach § 44 EnWG
Durchführung einer Sachstandsermittlung zur Klärung der archäologischen Befundlage im Bereich der Baueingriffsflächen vor Planfeststellungsbeschluss.
Vorhabenträger, Bauherr
Der Vorhabenträger, auch Bauherr genannt, ist die natürliche oder juristische Person, die ein Bauvorhaben plant, verantwortet und durchführen lässt. Er trägt nach dem im Umwelt- und Denkmalrecht verankerten Verursacherprinzip grundsätzlich die Kosten für notwendige bodenkundliche und archäologische Untersuchungen, da sein Vorhaben die entsprechenden Eingriffe erst auslöst. Das Verursacherprinzip stellt sicher, dass die Kosten für die Erfassung, Untersuchung und gegebenenfalls Bergung betroffener Bodendenkmäler nicht der Allgemeinheit, sondern demjenigen zufallen, der den Eingriff verursacht. In der Praxis beauftragt der Vorhabenträger daher in der Regel spezialisierte Fachbüros mit der Durchführung der erforderlichen Untersuchungen.
Voruntersuchung
Als Voruntersuchung werden Untersuchungsmaßnahmen bezeichnet, die vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahme durchgeführt werden, um den Kenntnisstand zu Bodendenkmälern, Altlasten oder schützenswerten Böden in einem Untersuchungsgebiet zu klären. Sie kann sowohl nicht-invasive Methoden wie Luftbildauswertung und Geophysik als auch invasive Verfahren wie Bohrprospektionen oder Suchschnitte umfassen. Die Ergebnisse der Voruntersuchung bilden die Grundlage für die weitere Planung, etwa die Festlegung von Konfliktbereichen, Mitigationsmaßnahmen oder einer baubegleitenden Betreuung.
W
Weltkulturerbe
Der weltweite Schutz von Kulturgütern als Quelle des Wissens über Geschichte und Kultur der Menschheit (Zeugniswert) gehört zu den Aufgaben der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur). Welterbestätten werden auf der sogenannten Weltkulturerbeliste eingetragen, und umfassen sowohl materielle als auch immaterielle Erscheinungen (z. B. Traditionen) des Weltkulturerbes.
